Plattdeutsch De Sellschopp

Wer »De Urgeschicht von Meckelnborg«1) von Fritz Reuter studiert hett, de weit: »As uns' Herrgott de Welt erschaffen ded, fung hei bi Meckelnborg an ...« 2) 

As hei nu dormit all lang to Enn kamen wier un blots noch af un an nahseihn güng, wat hei dor anstellt harr, dor begägent em up een von siene Entspektionsreisen Sellschopp. »Gu'n Dag ok, leiwe Gott«, säd Sellschopp, »schülln wi uns nich kennen?« Dat wier nu schenierlich, denn de leiwe Gott harr woll de ganze Welt makt, un hei schüll je ok meist allens weten, äwerst Sellschoppen - dor kunn hei sick den Ogenblick nich up besinnen. »Nee«, säd hei also, »wer büst du?«

Ach, harr hei dor man nich na fragt! Denn nu fung de Sellschopp an, den leiwen Gott ümständlich to verkloren, worüm Gott em woll up jeden Fall kennen müßt, wieldat hei dat doch wier, de ümmer de Kark för em upklort un rein utfägt harr. Un up de Örgel harr hei ok sier schön speelt. Man för dat Geistliche, dor höll hei sick ´n poor Swagers, de harrn dor up studiert. Dorför harr hei wedder den Acker bestellt und wier so recht Gott to Ehren öwer de Lüd' hengaloppehrt, wenn de siene Kantüffeln ut den Dreck klierten. Un ditwägen harr hei sick ok den HErrn sien eegen Wappen in sienen Petschaft sneden; un ob hei em denn nu ganz gewiß un würklich nich erkennen däd?

Wat uns Herrgott dortau seggt hett, dat wier woll nich so recht to verstahn. Man dat mücht ok noch ´n anner Bewandtnis hebbn, dat de Sellschopp nu all eenhunnert Johr lang keen Enn find't, den leiwen Gott und sick sülben to verkloren, wat hei doch för'n bannig goden Sellschopp is.

© sto 291






Hochdeutsch
De Sellschopp

Wer "Die Urgeschichte von Mecklenburg" von Fritz Reuter studiert hat, der weiß: "Als unser Herrgott die Welt erschuf, da fing er bei Mecklenburg an."

Als er nun damit schon lange fertig war und nur noch ab und zu nachsehen ging, was er da angerichtet hatte, da begegnete ihm auf einer seiner Inspektionsreisen Sellschopp. »Guten Tag, lieber Gott«, sagte Sellschopp, »sollten wir uns nicht kennen?« Das war jetzt peinlich; denn der liebe Gott hatte zwar die ganze Welt gemacht, und er sollte ja auch fast alles wissen, aber Sellschopp - auf den konnte er sich im Augenblick nicht besinnen. »Nein«, sagte er also, »wer bist du?«

Oh, hätte er nur danach nicht gefragt! Denn jetzt fing der Sellschopp an, dem lieben Gott umständlich zu erklären, warum Gott ihn doch auf jeden Fall kennen müsse, weil er das doch war, der immer die Kirche für ihn aufgeräumt und sauber ausgefegt hat. Und auf der Orgel habe er auch sehr schön gespielt. Nur für das Geistliche, da habe er sich ein paar Schwäger gehalten, die hatten das studiert. Dafür habe er wieder den Acker bestellt und sei so recht Gott zu Ehren über seine Leute hin galoppiert, wenn die seine Kartoffeln aus der Erde klaubten. Und deswegen habe er auch des HErrn eigenes Wappen in seinen Petschaft geschnitten; und ob er ihn denn nun wirklich und gewiß nicht erkenne?

Was unser Herrgott dazu gesagt hat, das war wohl nicht so richtig zu verstehen. Es könnte aber auch noch eine andere Bewandtnis haben, warum der Sellschopp nun schon seit einhundert Jahren kein Ende findet, dem lieben Gott und sich selbst zu erklären, was er doch für ein ausnehmend guter Sellschopp ist.

letzte Änderung: 13.05.2015